21.09.2009
Das Ende der Aufklärung
Der Traum von der Mündigkeit, nur ein Alptraum ? Wer ist denn dieser unmündige Mensch, der mündig gemacht werden muss ? Menschen werden nie ganz mündig, zumindest nicht alle und nicht zu jeder Zeit. Mündigkeit taucht sporadisch auf, besonders in einer hochgradig spezialisierten Welt, in der die eine Hand gar nicht verstehen kann, was die andere tut.
Dabei ist zu unterscheiden zwischen der individuellen Mündigkeit und der politischen. Jeder ist individuell mündig, d.h. in der Lage, für sich und sein Umfeld das moralisch vertretbare zu wählen. Politische Mündigkeit ist problematischer, weil es den meisten an Interesse und Information fehlt. Politische Entscheidungen unterliegen zudem nur in komplizierter Weise einem kategorischen Imperativ: bei jedem politischen Entscheid gibt es Gewinner und Verlierer (dies könnte geradezu als Definition verwendet werden). Manchmal sind die Verlierer am Schluss sogar tot (Kriege, Strafrecht, Gesundheitsbereich, etc.). Jeder politische Entscheid wäre nach individualistischer Moral eigentlich verwerflich. Manche Kurzdenker leiten daraus die Forderung nach einer anarchistischen Gesellschaft ab. Doch ein soziales Gefüge ist ohne politische Entscheidungen nicht denkbar, diese Entscheidungen finden immer statt, implizit oder explizit.

Die Aufklärung hat den Menschen ein bisschen ohne den Menschen zu machen versucht. Die soziale Ordnung ist näher verwandt an der natürlichen Ordnung: sie folgt Prinzipien, welche bisweilen unerbittlich und ungerecht erscheinen. Darauf hat die Aufklärung keine Antwort und deshalb wurde Darwin wohl auch depressiv(er). Politische Moral heisst deshalb in erster Linie, das Unvermeidliche zu akzeptieren und das Machbare anzustreben.

N.B.: die Kirche konnte deshalb so gegen ihre eigenen Prinzipien wüten, weil das Evangelium nur Basis der individuellen Moral ist, aber keine Anhaltspunkte für ein gutes Staatsgefüge liefert. Dieses Vakuum füllte die Kirche in der Vergangenheit mit mit reinsten Machtansprüchen. Es braucht deshalb mehr als ein liberales, aufgeklärtes Evangelium, z.B. eine stoisch oder konfuzianistisch inspirierte politische Moral, welche damit in Einklang gebracht werden kann. Unter dieser Voraussetzung könnte der Westen als Kultur wieder durchstarten.
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16.09.2009
Atheismus, Humanismus und Willensfreiheit
Willensfreiheit bedingt, dass der totale Determismus nicht wahr ist. Demokrit statt Parmenides. Kein einzig seiendes, sondern ein immerwährender Widerspruch mit der Leere. Ohne Willensfreiheit gibt es auch keine Moral - und umgekehrt. Jesus statt Calvin. Die menschliche Person existiert. Der Mensch, Nexus von Kräften, schwarzes Loch des Seins. Nicht von dieser Welt und dennoch in der Welt. Seneca statt Epikur.
Ohne Willensfreiheit kein Humanismus.
Und ohne Gott ? Der Atheismus atmet das Evangelium mit jedem Wort. Die Abneigung gegen Autorität und Gesellschaftliche Vorbestimmung, die Würde des Individuums, etc.: ohne Jesus, kein Michael Schmidt-Salomon. Und ohne Gott ? Die Frage ist natürlich nur rhetorisch und nicht, ob es Gott gibt, sondern was es ist.
09:17 Veröffentlicht in sophistik | Permalink | Kommentarstatus (2) | Per Email verschicken
10.02.2009
Amok
Die Welt ist auf Talfahrt. Der Himmel ist nicht mehr in Sicht, nur noch Grund so weit das Auge reicht. Da werden Piloten, welche ihre Passagiere retten, schnell zu Heroen.

